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Shirin Neshat: "Ich habe Freiheit. Aber bin ich wirklich frei?"

Zurück zur Übersicht 06.08.2017

BursDie US-iranische Künstlerin gibt mit "Aida" Debüt als Opernregisseurin. Ein Gespräch über Grenzen, Flüchtlinge und Feminismus

STANDARD: "Aida" ist Ihre allererste Opernregie überhaupt. Kannten Sie diese Oper, bevor Sie das Angebot von Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser bekamen?

Neshat: Ich muss gestehen, nein. Ich habe bis dahin überhaupt wenige Opern gesehen, kannte auch die Geschichte von Aida nicht. Natürlich habe ich sie dann studiert, mich mit der Problematik vertraut gemacht. Viele Nahost-Intellektuelle, die ich sehr schätze, haben gesagt, ich würde mit dem Feuer spielen. Ich ging an das Projekt ohne vorgefasste Meinung heran.

STANDARD: Wie lange hatten Sie Zeit zu überlegen, ob Sie zusagen?

Neshat: Ich traf mich mit Markus Hinterhäuser zum Lunch, und ich fragte mich, was er wohl von mir wolle. Ich vermutete, dass er mich bitten würde, mit einem der Regisseure zusammenzuarbeiten. Als er mir vorschlug, eine Oper zu inszenieren, dachte ich, er mache einen Scherz. Und sagte als erste Reaktion, ich könne es nicht. Doch gleich nach dem Essen gingen wir in ein Plattengeschäft und hörten eine Aufnahme von Muti an. Als Nächstes kam Hinterhäuser zu mir nach New York, und wir trafen Riccardo Muti. Ich hatte gar nicht viel Zeit nachzudenken. Ich hörte die Musik, las die Geschichte und dachte schließlich: Das ist ja gar nicht so weit entfernt von dem, was ich sonst mache.

STANDARD: Dass Text und Musik den gestalterischen Rahmen vorgeben, dürfte Ihnen entgegenkommen? Sie haben ja einmal gesagt, dass Sie sich für Ihre Kunst selbst Grenzen setzen.

Neshat: Stimmt. Ich arbeite am besten und kreativsten innerhalb bestimmter Grenzen. Obwohl ich nicht im Iran lebe und daher auch keine Probleme mit Zensur oder Ähnlichem habe, mich also frei ausdrücken und bewegen kann, habe ich gelernt, mich gewissermaßen selbst zu zensurieren. Auch in der Fotografie oder im Film habe ich meine Parameter entwickelt, innerhalb derer ich große Freiheit habe. In dem Augenblick, in dem man sich an bestimmte Limits hält, ist man freier.

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